Projekt Beschreibung

Zielgerichtete Gruppendiskussion für fundierte Meinungsbildung

Fokusgruppen richten die Aufmerksamkeit der Beteiligten gezielt auf ein Thema, das in das Zentrum der Diskussion gestellt wird. Die Methode ermöglicht Einblicke in die Meinungen, Argumente und Empfehlungen der einzelnen Teilnehmenden, aber auch einen Prozess, in dem sie neue Anstöße erhalten, ihr Wissen erweitern und sich fundiert eine Meinung bilden können.

Bei der Methode diskutieren Gruppen von rund sechs bis zwölf Teilnehmenden für ein bis zwei Stunden oder auch länger. Dabei werden sie durch eine Moderation angeregt und begleitet. Zur Fokussierung dienen ein Informationsinput und ein im Vorhinein aus offenen Fragen konzipierter Leitfaden. Die Methode ermöglicht durch die Gruppengröße einen intensiven Austausch in alltagsähnlicher Diskussionsatmosphäre. Die Auswahl der Beteiligten richtet sich nach dem Thema und berücksichtigt dabei, dass Personen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenkommen, die aber einen gemeinsamen Hintergrund haben und dadurch leicht in die Diskussion kommen. Häufig werden mehrere Fokusgruppen mit verschiedenen Personenkreisen zu einem Thema durchgeführt.

Fokusgruppen auf einen Blick:

  • Moderierte Gruppendiskussion, flexibel und breit einsetzbar
  • Informationsinput und Leitfaden zur Fokussierung und zielgerichteten Diskussion
  • Intensive Beteiligungsmöglichkeiten durch Gruppengröße von 6-12 Personen
  • Einblick in Einzel- und Gruppenperspektiven
  • Wissenserweiterung, intensiver Austausch und fundierte Meinungsbildung

Die Fokusgruppe ist eine moderierte Gruppendiskussion. Sie wird als Format im Bereich der Partizipation eingesetzt, wurde aber ursprünglich in der Marktforschung als Alternative zu damals gängigen Interviewmethoden entwickelt und etablierte sich im weiteren Verlauf auch als Standardmethode qualitativer Sozialforschung.

Die Methode ist für verschiedene Zielgruppen geeignet. Teilnehmende einer Fokusgruppe können aus Bürgerschaft, Verwaltung, Politik oder Wissenschaft kommen, sie können Laien oder auch Expertinnen und Experten sein. Dabei folgt die Fokusgruppe dem Prinzip, dass der Teilnehmerkreis so heterogen wie möglich und so homogen wie nötig sein sollte. Durch die Heterogenität werden unterschiedliche Perspektiven sichtbar, die für die Beteiligten neu und anregend sind und ihr Wissen erweitern. Durch die Homogenität kommen die Beteiligten schnell miteinander in die Diskussion und können sich leichter austauschen und verständigen.

Ein Vorteil der Fokusgruppe ist der überschaubare Teilnehmerkreis. Jede einzelne Person kann sich aktiv und tiefgehend einbringen. Der Informationsinput und die Leitfragen für die Diskussion geben den Anstoß für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und unterstützen eine Gruppendynamik des freien Austausches, in dem alle sich beteiligen.

Für den erfolgreichen Einsatz der Methode sind die Auswahl und Gestaltung des thematischen Inputs, das die Beteiligten auf das Thema fokussieren soll, und die Entwicklung des Leitfadens, der sie durch Erzählanstöße und Fragen in Diskussion bringen soll, von besonderer Bedeutung.

Fokusgruppen werden in der Regel aufgenommen und/oder protokolliert und anschließend ausgewertet. In Beteiligungsprojekten finden oft parallel oder nacheinander mehrere Fokusgruppen mit verschiedenen Personenkreisen statt.

 

Referenzen:                             

  • Fokusgruppen – online und vor Ort – im Projekt „Digitale Kommune“, 2020
  • Fokusgruppen – online und vor Ort – im Projekt „KOMOBIL2035: Koordinierung von Haupt- und Ehrenamt in ländlichen Räumen am Beispiel der Koproduktion von Mobilitätsdienstleistungen“, für Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2019-2020
  • Fokusgruppen im Projekt „Hüben wie drüben?!“, für „Generationen gehen gemeinsam“ (G3) e.V., 2019
  • Fokusgruppe im Projekt „DoNotFear – Entwicklung einer mobilen Anwendung für die gefühlte Sicherheit im Nahverkehr“, für European Institute of Innovation and Technology (EIT Digital), 2019
  • Fokusgruppen im Projekt „Demokratielabore“, für Open Knowledge Foundation Deutschland, 2017-2019
  • Fokusgruppen „Familien in Kleinstädte in peripheren Lagen“, für Hochschule Neubrandenburg, Institut für Kooperative Regionalentwicklung, 2018
  • Fokusgruppen für „Stadtentwicklungskonzept Migration und Teilhabe“, für Stadt Osnabrück, 2018-2019
  • Fokusgruppen zur zweiten Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans Verkehr, für Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, 2017-2018
  • Fokusgruppen im Projekt „Synergien vor Ort“, für Bertelsmann Stiftung, 2015-2017
  • Fokusgruppen im Rahmen des Besuchermonitorings der Parklandschaft Tempelhof, für Grün Berlin GmbH, 2014
  • Fokusgruppen im Projekt „LowExtra: Niedrig-Exergie-Trassen zum Speichern und Verteilen von Wärme“, für Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 2014-2017

 

Literatur:

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2015). Beteiligungskompass. Fokusgruppen. http://www.beteiligungskompass.org/article/show/142

BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.) (2016). Grundsatzpapier des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Partizipation. https://www.zukunft-verstehen.de/application/files/8614/7325/3984/BMBF_grundsatzpapier_partizipation
_barrierefrei.pdf

Bohnsack, R. (2005): Gruppendiskussion. In Flick, U.; von Kardorff, E.; Steinke, I. (Hrsg.), Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch.

ÖGUT – Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik; Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) (Hrsg.) (o.J.). Partizipation & Nachhaltige Entwicklung in Europa. Informationswebsite. Methoden/Methoden für Kleingruppen/Fokusgruppe. https://www.partizipation.at/fokusgruppe.html

Smithson, J. (2007). Focus Groups. In Alasuurtari, P.; Bickman, L.; Brannen, J.S. (Ed.), The Sage Handbook of Social Research Methods, p. 356-371. London: Sage. https://www.researchgate.net/publication/224969042_Using_focus_groups_in_social_research

 

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