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Archiv 2014






Meldungen von 2014

04.11.2014Zur Übergabe des Bürgergutachtens kamen noch mal rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Planungszellen zum EUREF-Campus nach Berlin-Schöneberg. Foto: Theo Sakatis/IBBA/TU Berlin
Bürgerutachten "Intelligente Energie- und Verkehrswende in Berliner Stadtquartieren" übergeben

Die Zukunft der Energiewende hängt nach Einschätzung von Prof. Dr. Hans-Liudger Dienel davon ab, dezentrale Energieerzeugung und -speicherung zu kombinieren. Lokal erzeugte Energie aus erneuerbaren Quellen solle in Zukunft intelligent mit Elektromobilität in Stadtquartieren vernetzt werden. Dies betont Dienel in seinem Vorwort zum jetzt übergebenen Bürgergutachten "Intelligente Energie- und Verkehrswende in Berliner Stadtquartieren". Einzelheiten zur Realisierung der Pläne werden derzeit auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg untersucht.

Das Forschungsprojekt mit dem etwas sperrigen Namen "Mobility2Grid" vernetzt Energieerzeuger, Speichermedien und Verbraucher. Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen sollen mit intelligenter Steuerung und Speicherung ausgleichen werden. Die lokal erzeugte Energie wird zum Laden von Elektromobilen genutzt. Die Fahrzeuge dienen gleichzeitig als Energiespeicher innerhalb des intelligenten Stromnetzes. Das geht aber nur mit neuer Infrastruktur. Diese ist nicht nur von technischen und ökonomischen Bedingungen abhängig, sondern erfordert wegen der Kosten und Eingriffe den erklärten gesellschaftlichen Willen und politische Entscheidungen. Für die Akzeptanz sind Kosten, Praxis- und Alltagstauglichkeit entscheidend.

Mit 88 Teilnehmenden war die Planungszelle ausgesprochen gut besucht. Unser Bild zeigt nexus-Mitarbeiter Ansgar Düben (li.) bei der Moderation mit den Ideen einer Teilnehmerin (re.), die die Ergebnisse aus einer Kleingruppe präsentiert. Foto: Archiv nexusHier setzt die Bürgerbeteiligung an: Welche Anforderungen stellen künftige Nutzer an neue Infrastrukturen? "So vielfältig wie die Themen, mit denen sich Bürgerbeteiligung befasst, sind auch die Methoden, die wir einsetzen", sagt nexus-Bereichsleiterin Dr. Christine von Blanckenburg. Die Teilnehmer der Planungszellen informierten sich über verschiedene Möglichkeiten der lokalen Energieerzeugung in Stadtquartieren. Weiterer Punkt waren alternative Verkehrskonzepte für städtische Ballungsräume. Wichtiges Element einer Planungszelle ist die Diskussion in Kleingruppen, um so gemeinsam die sinnvollste und attraktivste Maßnahme herauszuarbeiten. Die große Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war aus Interesse am Thema oder aus Neugier am Beteiligungsprozess gekommen. Durch die Zufallsauswahl ist es gelungen, unterschiedliche Perspektiven an einen Tisch zu bringen.

"Wir danken den Bürgerinnen und Bürgern, die sich an drei Tagen engagiert und kompetent eingebracht haben", betont nexus-Bereichsleiterin Dr. Christine von Blanckenburg. An den jeweils dreitägigen Planungszellen beteiligten sich insgesamt 88 im Zufall ausgewählte Berlinerinnen und Berliner. Die Planungszellen fanden im Juni 2014 statt. Mit der Übergabe des Bürgergutachtens ist die Planungszelle abgeschlossen. Die Ergebnisse werden im Projekt "Mobility2Grid" intensiv weiter bearbeitet.

Bürgergutachten zur Planungszelle 'Intelligente Energie- und Verkehrswende in Berliner Stadtquartieren'. Moderationsteam: Nicolas Bach, Dr. Angela Jain, Ansgar Düben, Daphne Reim, Frank Balzer, Tobias Kuttler, Leonard Fauck, Christoph Büsching. Redaktion: Nicolas Bach, Dr. Rahel Gersch, Jana Wittke.Bürgergutachten
Intelligente Energie- und Verkehrswende in Berliner Stadtquartieren

Moderationsteam
Nicolas Bach, Dr. Angela Jain, Ansgar Düben, Daphne Reim, Frank Balzer, Tobias Kuttler, Leonard Fauck, Christoph Büsching

Redaktion
Nicolas Bach, Dr. Rahel Gersch, Jana Wittke

Das Gutachten können Sie hier herunterladen (pdf, 4,6 MB, 144 Seiten)

Lesen sie mehr:
nexus-Projektseite Mobility2Grid
Mehr zur Methode Planungszelle und Bürgergutachten


20.10.2014
Qualität von Bürgerbeteiligung muss künftig einen noch höheren Stellenwert erhalten. Die Kompetenz des Moderators ist ein Element neben vielen anderen. Mit der Qualität von Planungszelle und Bürgergutachten setzen sich jetzt 25 Autoren im neuen Sammelband 'Die Qualität von Bürgerbeteiligungsverfahren', erschienen im oekom-Verlag, auseinander. Foto: Archiv nexus/Holger Jansen/Akademie für Partizipative MethodenAktuelle Neuerscheinung: Qualität von Bürgerbeteiligungsverfahren

Zu einer erfolgreichen Bürgerbeteiligung gehört nach Einschätzung von Hans-Liudger Dienel auch die Qualitätssicherung. "Beteiligung boomt, doch bei vielen Prozessen fehlt es an Professionalität", stellt Dienel im aktuell erschienenen Buch zur Qualität von Bürgerbeteiligungsverfahren fest. Dienel weiter: "Es gibt keine anerkannte Standards, keine dezidierte Ausbildung und mit dem Netzwerk Bürgerbeteiligung erst seit kurzem eine etablierte Fachgemeinschaft." Die Beteiligungsverfahren Planungszelle und Bürgergutachten dienen im neuen Sammelband als Beispiele, um Beteiligung zu evaluieren und Standards zu sichern. Die Planungszelle ist inzwischen seit über 40 Jahren etabliert.

Entwickelt wurde die Planungszelle von Peter C. Dienel und erstmals im November 1972 in der nordrhein-westfälischen Stadt Schwelm eingesetzt. "Das Modell wurde weltweit in originaler oder abgeleiteter Form über 1000-mal in 15 Ländern eingesetzt", erläutert Autor Antoine Vergne in seinem Beitrag unter dem Titel "Planungszelle – Diffusion einer politischen Innovation". Wichtiges Element einer Planungszelle ist die Zufallsauswahl der Teilnehmer. Zudem erhalten die Gäste eine finanzielle Aufwandsentschädigung.

Der jetzt veröffentlichte Sammelband gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil überlegen die Autoren, wie Qualität von Verfahren gesichert werden kann. Weiterer Punkt ist die Institutionalisierung von informellen Bürgerbeteiligungsverfahren. Der zweite Teil widmet sich den derzeit gültigen Qualitätskriterien für Planungszellen und Bürgergutachten. Im dritten Teil werden deutsche und internationale Praxisbeispiele vorgestellt. Insgesamt befassen sich 25 Autoren auf 472 Seiten mit zahlreichen Aspekten zur Qualität des Verfahrens Planungszelle und Bürgergutachten. Das Buch entstand im Nachgang zu einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Herausgeber arbeiten im Qualitätsnetz Bürgergutachten zusammen.

Hans-Liudger Dienel, Antoine Vergne, Kerstin Franzl, Raban D. Fuhrmann, Hans J. Lietzmann (Hrsg.): Die Qualität von Bürgerbeteiligungsverfahren. Evaluation und Sicherung von Standards am Beispiel von Planungszellen und Bürgergutachten. ISBN: 978-3-86581-247-6. 472 Seiten, 17 x 24 cm, 34,90 EuroHerausgeber:
Hans-Liudger Dienel, Antoine Vergne, Kerstin Franzl, Raban D. Fuhrmann, Hans J. Lietzmann

Titel:
Die Qualität von Bürgerbeteiligungsverfahren. Evaluation und Sicherung von Standards am Beispiel von Planungszellen und Bürgergutachten
ISBN: 978-3-86581-247-6
472 Seiten, 17 x 24 cm, 34,90 Euro

Lesen Sie auch:
Mehr zur Methode Planungszelle und Bürgergutachten
Bürgerbeteiligung mit Planungszellen im Projekt "Mobility2Grid" (externer LInk)

Linktipp:
Zum oekom-Verlag (externer Link) mit Inhaltsverzeichnis, Leseprobe und Bestellmöglichkeit


03.03.2014
Planungszelle und Bürgergutachten in München zum "Kunstareal"

Der Freistaat Bayern und die Landeshauptstadt München vereinbarten 2009, die Museums-, Kunst- und Wissenschaftslandschaft rund um die Pinakotheken und den Königsplatz gemeinsam voranzutreiben. Sie wollen nach eigenen Angaben Strategien für eine bessere Vernetzung, Präsentation und Förderung entwickeln.

Unter dem Titel "Kunstareal München" arbeiten Museen, Ausstellungshäuser, Galerien, Kulturinstitutionen, Hochschulen und das Publikum intensiv zusammen, um das Areal in seiner Vielfalt bekannter zu machen. München soll national und international als einmaliger Kultur- und Wissensstandort wahrgenommen werden.

Das Projekt wurde bereits in Workshops, Ausstellungen und Befragungen mit der Öffentlichkeit diskutiert. Prozessbegleitend hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Stadt München in den Jahren 2010 und 2012 Stadtrat-Hearings durchgeführt. Im Oktober 2012 wurde es vom Stadtrat beauftragt, ein Bürgergutachten zu starten, um den Planungsprozess mit den Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren und im Dialog gemeinsam zu gestalten.

Das Bürgergutachten zum Kunstareal enthält Empfehlungen von etwa hundert Münchnerinnen und Münchnern. Aufgeteilt in vier so genannte Planungszellen trafen sich die Teilnehmer im September 2013 jeweils vier ganze Tage lang, um über verschiedene Themen zu diskutieren. Moderiert und begleitet wurde der Prozess von der Gesellschaft für Bürgergutachten, einer neutralen Organisation. Am 25. Februar 2014 ist das Bürgergutachten an Oberbürgermeister Christian Ude und Stadtbaurätin Elisabeth Merk übergeben worden.

Lesen Sie mehr:
Stadt München zum Kunstareal (externer Link)
Das Bürgergutachten können Sie hier herunterladen (pdf, 10 MB)


20.01.2014 Freude beim Wolfsburger Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Aus den Händen von nexus-Bereichsleiterin Dr. Christine von Blanckenburg übernimmt er das Bürgergutachten. In dem Bürgergutachten sind die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung aufbereitet. Das nexus-Team hatte mehrere Bürgerforen moderiert und dabei das Beteiligungsverfahren Planungszelle als Methode genutzt. Foto: Holger Jansen/nexusÜbergabe des Bürgergutachtens an Oberbürgermeister Klaus Mohrs

"Wir wollen Bürgerinnen und Bürger stärker beteiligen", betont der Wolfsburger Oberbürgermeister Klaus Mohrs. In seiner Rede im Wolfsburger Congresspark lobte das Stadtoberhaupt die bisherige Arbeit der Bürgerinnen und Bürger und betonte: "Wir wollten den Rahmen nicht vorgeben, sondern diesen gemeinsam mit Ihnen erarbeiten." Aus den Händen von nexus-Bereichsleiterin Christine von Blanckenburg nahm Klaus Mohrs anschließend das Bürgergutachten entgegen. Auf rund 100 Seiten sind Eckpunkte für eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung beschrieben.

Das Bürgergutachten ist jetzt eine Grundlage für die weitere Bürgerbeteiligung in der Stadt Wolfsburg. Nach der Übergabe konnten sich die rund 200 Gäste im Wolfsburger Congresspark noch einmal umfassend über Prozess und Eckpunkte der Bürgerbeteiligung in Wolfsburg informieren. Auch direkte Beteiligung war möglich: Bürger konnten ihre Meinung auf Moderationskarten vermerken oder einen mündlichen Kommentar auf einem Aufnahmegerät hinterlassen. Die Veranstaltung war bewusst offen konzipiert. Sie richtete sich an alle Altersklassen – Erwachsene, Kinder und Jugendliche.

Mit neun Mitarbeitern war nexus am 18.1.2014 im Wolfsburger Congresspark vertreten. Dabei waren (v.l.n.r.): Ansgar Düben, Daphne Reim, Frank Balzer, Christoph Henseler, Leonard Fauck, Dr. Christine von Blanckenburg, Dr. Holger Jansen, Kerstin Franzl und Nicolas Bach.Das Team von nexus moderierte Ende Oktober 2013 in Wolfsburg vier Bürgerforen mit rund 100 Teilnehmern. Die Gäste wurden zuvor per Zufall aus dem Melderegister ausgewählt. Die Foren waren regional über das Stadtgebiet verteilt. Mit Kinder- und Jugendforen wurde eine jüngere Zielgruppe aktiv angesprochen und eingebunden. Die Ergebnisse der Bürgerforen sowie der Kinder- und Jugendforen sind im Bürgergutachten aufbereitet worden.

Der "Wolfsburger Dialog mitWIRKUNG" besteht insgesamt aus mehreren Beteiligungsformaten: Bürger-, Jugend- und Kinderforen, einem Arbeitskreis aus Akteuren der Stadtgesellschaft, einem Verwaltungsforum, der Online-Beteiligung und dem Bürgermeeting. Die Inhalte werden zusammengefasst zu einem "Konzept Bürgerbeteiligung Wolfsburg". Damit wird in Zukunft die gesetzlich nicht geregelte Beteiligung verbindlich organisiert. Dieses Konzept soll noch vor der Sommerpause vom Rat der Stadt Wolfsburg beschlossen werden.

Linktipps:
Bürgergutachten zum "Konzept Bürgerbeteiligung Wolfsburg" (2,6 MB, pdf)
Projektseite der Stadt Wolfsburg (externer Link)
nexus-Projektseite Konzept zur Bürgerbeteiligung in Wolfsburg